"Huhu!" - Die Psyche meldet sich: Psychotherapie
Psychotherapie / Tiefenpsychologische Therapie
Arzt: „Ich kann ihnen auch gerne ein Rezept für eine Psychotherapie ausstellen.“
Ich (sage): „Danke, ich denke nicht, dass ich das brauche.“
Ich (denke): „Gehtˋs noch? Ich hab doch nix an der Birne!“
Das war so ca. 2015. Da begann die Stimmung zum ersten Mal in Abständen zu kippen und ich rutschte in erste Depriphasen ab.
ABER nichts, was ich nicht in den Griff bekommen könnte. Psychotherapie… pfft… ich auf so einer Ledercouch liegend und jemand mit nem Schreibblock in der Hand sitzt vor mir und ich muss erzählen. Danke, das überlasse ich mal den Anderen die das auch brauchen.
Kleiner Zeitsprung von ca. 3 Jahren
Ich (denke): „Aaaaahhhhrrrgghhh! Nee, lass!“
Ich (sage): „ Ein Rezept für … Psy...cho…ther…apie vielleicht noch…?“
Arzt: "Klar, hier bitte."
Joa, Zeiten ändern sich. Und wenn die Gesundheit über Jahre nicht so tut, wie es von der Schöpfung her geplant war, dann ändern sich auch Einstellungen zu bestimmten Sachen. Das Rezept war fix ausgedruckt. „Musste ja net mache, kannste ja ach in de Eimer kicke!“ dachte sich der Hesse. Zu Hause mit der Freundin darüber gesprochen und… erst einmal auf die lange Bank geschoben. Eilt ja nicht. Ob ich da jetzt heute oder morgen… ist doch egal!
Nicht nur Tage vergingen... Die Stimmung fuhr Berg- und Talbahn. Tja und dann… fing ich an, mich schlau zu machen. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ICH für mich entschieden habe, dass ich Hilfe benötige. Niemand wollte mich überreden oder mich mit guten Ratschlägen dazu bringen, eine Psychotherapie anzufangen. Es war ganz alleine meine Entscheidung gewesen zu dem Zeitpunkt. Und da wusste ich: Ich bin bereit und empfänglich dafür.
Über das Internet habe ich verschiedene Psychotherapeuten in meiner Nähe herausgesucht und diese dann abtelefoniert.
Wartezeiten von 6 Monaten über „Tut mir Leid, die Praxis ist nicht rollstuhlgeeignet.“ bis „Wir sind voll und nehmen niemanden mehr auf die Warteliste auf.“ war alles dabei.
In einer "Ausbildungspraxis", die Therapeuten sind dort nach dem Studium noch unter Supervision, bekam ich dann einen Platz. Es lief gut. Die Stunden haben mir etwas gebracht und die Atmosphäre war stets angenehm.
Auf einer Couch habe ich übrigens nie gelegen. Es gab Sessel.
Meine zweite Erfahrung mit Psychotherapie machte ich dann ab 2023. Wieder ging die Initative von mir aus. Ich telefonierte rum und bei einer Praxis hörte ich die Bandansage und wusste: Das isses!
Ich blieb dran und bekam einen freien Platz. Die Wartezeit war in Ordnung bis es losging und die Therapeutin war top! Was ein Glücksgriff! Es passte einfach. Eines meiner Probleme über das wir sprachen verbesserte sie mit einem Satz. Der Satz war weder aus dem Lehrbuch noch irgendein Standardsatz. Sie war einfach authentisch und redete. Ehrlich. Ohne Blatt vor dem Mund und ohne Umweg durch die Blume. Wow! Ich bin ihr sehr dankbar!
Wie läuft so eine tiefenpsychologische Behandlung jetzt ab?
- Rezept gibt es vom Hausarzt.
- Kontaktaufnahme mit einer Praxis liegt in der Hand des Patienten.
- Erstgespräch am Telefon und Fragen beantworten. (Wichtig, damit dann intern ein geeigneter Therapeut gefunden werden kann.
- Du hast 5 (!) „Probetermine“. In denen kannst du dich entscheiden, ob du zufrieden bist, oder ob es doch das Falsche für dich ist.
- Es gibt die Kurzzeittherapie mit 24 Terminen oder die Langzeittherapie mit bis zu 60 Therapieeinheiten.
- Am Ende der Kurzzeittherapie wird gemeinsam entschieden, ob Anschlusstermine Sinn machen.
- Rechne damit, dass es erst einmal eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden geben wird am Anfang. Das ist normal, weil vieles angesprochen wird. Nach dieser ersten schwierigen Anfangsphase wird es dann jedoch leichter.
- Psychotherapie muss dir nicht peinlich sein. Es ist ok sich Hilfe zu holen, wenn man selbst nicht mehr weiterkommt.
Du und der Therapeut seid ein Team: Seid ehrlich zueinander. Glaub mir, ich bin auch nicht jemand, der seine Gefühle frei erzählen kann. Da war ich nicht der Erste und bestimmt auch nicht der Letzte. Nimm dir Zeit beim Reden und wenn du mal eine Minute brauchst: Nimm sie dir. Es ist allein DEINE Zeit!