Was bedeutet „Pretender“
im Rollstuhl-Kontext?
Der Begriff „Pretender“ stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Vortäuschender“ oder „Darstellender“.
Im Zusammenhang mit Rollstuhlnutzung beschreibt er Personen, die sich bewusst als Rollstuhlnutzer darstellen, obwohl aus medizinischer Sicht keine körperliche Notwendigkeit besteht.
Wichtig ist dabei:
Der Begriff wird unterschiedlich verwendet und ist nicht medizinisch definiert. Er dient in erster Linie der Beschreibung eines Verhaltens – nicht der Bewertung eines Menschen.
Diese Seite soll erklären, was damit gemeint ist, ohne zu urteilen.
Was kennzeichnet einen Pretender?
Im Allgemeinen versteht man darunter Personen, die:
- zeitweise oder dauerhaft einen Rollstuhl nutzen
- nach außen den Eindruck einer körperlichen Einschränkung vermitteln
- medizinisch jedoch nicht darauf angewiesen sind
Die Beweggründe können sehr unterschiedlich sein und sind von außen nicht immer erkennbar.
Nicht jeder Fall ist gleich.
Nicht jede Motivation ist identisch.
Deshalb ist es wichtig, vorschnelle Schlüsse zu vermeiden.
Abgrenzung zu Wannabes und BID
Im Zusammenhang mit Rollstuhlnutzung tauchen häufig mehrere Begriffe auf, die voneinander unterschieden werden sollten:
- Pretender – bewusste Darstellung einer Rollstuhlnutzung
- BID (Body Integrity Dysphoria) – psychologisch eingeordnetes Störungsbild mit Identitätskonflikt
- Wannabe – Wunsch, dauerhaft als Rollstuhlnutzer zu leben
Während BID eine diagnostizierbare psychische Erkrankung sein kann und Wannabes häufig einen Identitätswunsch beschreiben, steht beim Begriff Pretender meist das bewusste Darstellen im Vordergrund.
Diese Unterscheidung hilft, Missverständnisse zu vermeiden.
Unterschiedliche Perspektiven
Für Menschen, die neu im Rollstuhl sind, kann das Thema zunächst irritierend wirken.
Es wirft Fragen auf wie:
- Warum macht jemand so etwas?
- Ist das respektlos?
- Wie soll man damit umgehen?
Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht.
Menschen handeln aus sehr unterschiedlichen persönlichen Gründen.
Manche suchen Zugehörigkeit, manche experimentieren mit Identität, andere verfolgen individuelle Motive.
Wichtig ist, zwischen Verhalten und Wertung zu unterscheiden.
Meine Haltung zu diesem Thema
Ich persönlich habe kein grundsätzliches Problem mit Pretendern.
Für mich gilt:
- Jeder Mensch darf sein Leben so gestalten, wie er möchte.
- Solange keine Grenzen verletzt werden, ist das in Ordnung.
- Niemand sollte ohne sein Wissen in eine Rolle einbezogen werden.
- Hilfsbereitschaft darf nicht bewusst ausgenutzt werden.
Ehrlichkeit ist dabei der entscheidende Punkt.
Wenn offen kommuniziert wird, können Missverständnisse vermieden werden.
Transparenz ermöglicht respektvolle Begegnungen.
Warum dieses Thema hier offen angesprochen wird
Diese Webseite richtet sich auch an Menschen, die neu im Rollstuhl sind.
Früher oder später stoßen viele auf den Begriff „Pretender“.
Statt Unsicherheit entstehen zu lassen, soll diese Seite:
- informierensachlich erklären
- einordnen
- Raum für Verständnis schaffen
Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
Wissen nimmt Spekulationen den Raum.
Respekt als gemeinsame Grundlage
Unabhängig davon, welcher Gruppe man sich zuordnet oder ob man selbst dauerhaft im Rollstuhl lebt:
Respekt, Ehrlichkeit und klare Kommunikation sind die Grundlage für ein gutes Miteinander.
Solange niemand geschädigt wird und Grenzen gewahrt bleiben, sollte ein sachlicher Umgang möglich sein.
Abschließende Gedanken
Das Thema Pretender ist sensibel, weil es Identität, Wahrnehmung und gesellschaftliche Erwartungen berührt.
Es lohnt sich, informiert zu bleiben, ohne vorschnell zu urteilen.
Offene Information schafft Sicherheit – und Sicherheit ermöglicht respektvolle Begegnung.