Warum wir manchmal nicht sagen, wie es wirklich heißt – und was das mit Unsicherheit zu tun hat Unsicherheit zu tun hat
Warum sagen manche Menschen „das Ding“ oder „irgendwie Rolli-Dingsda“, statt Rollstuhl, Behinderung oder Schwerbehindertenausweis auszusprechen? Gerade auf einer Seite wie Rollstuhlfahren für Anfänger ist es wichtig, Klartext zu reden – und zwar mit Humor und ohne erhobenen Zeigefinger.
Viele Menschen kennen die richtigen Begriffe, aber sobald es ernst wird, rutschen sie in Umschreibungen, Phantasienamen oder betretene Pausen ab. Das hat nicht mit böser Absicht zu tun, sondern mit psychologischen Mustern wie Unsicherheit, Angst vor falscher Wortwahl und der Sorge, etwas Unpassendes zu sagen. Doch: Sprache schafft Realität. Wenn wir nicht beim richtigen Wort bleiben, bleibt das Thema auch irrational, unangenehm und stets ein bisschen sperrig.
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum das so ist und wie man es ganz entspannt wieder lernen kann. Mit ein bisschen Humor, Offenheit und klaren Begriffen wird Sprache nicht schwerer – sondern normaler.
Wenn aus „Rollstuhl“ plötzlich ein „Dings“ wird…
Du kennst das sicher: Du sagst „Rollstuhl“ und plötzlich wird daraus in Gesprächen ein „das Ding“, ein „Teil“ oder ein „y-Dingsda“. Warum? Oft ist es nicht Unwissenheit – die meisten Menschen wissen, wie es heißt. Aber plötzlich scheint es, als stünde ein unsichtbarer Sprach-Neuro-Hindernisparkour zwischen Gedanke und Wort.
Ein Name mit Gewicht – aber ohne Tabu
Begriffe wie Behinderung, Rollstuhl, Gehhilfe oder Schwerbehindertenausweis sind keine verbotenen Worte im Wörterbuch, die bei Aussprache Alarm schlagen. Sie sind klare Bezeichnungen für Dinge, die Teil unserer Realität sind. Und ja – sie können emotional aufgeladen sein, aber genau deswegen lohnt es sich, sie normal zu verwenden.
Warum wir lieber um den heißen Brei reden
Es gibt ein paar ganz menschliche Gründe:
- Angst, es falsch zu machen
- Viele wollen höflich sein und aus Unsicherheit lieber «umschreiben» statt klar benennen. Das kostet mehr Energie als das richtige Wort.Ungewohnte soziale Dynamik
- Unwohlsein vor dem Eigentlichen
Manche verbinden innerlich Begriffe wie Behinderung mit negativen Gefühlen … also umgeht das Gehirn den Begriff lieber komplett. - Wenn man selten mit Menschen im Rollstuhl spricht, fühlt sich das Wort erst einmal «komisch» an – unabhängig davon, ob man es kennt oder nicht.
So wird Sprache wieder leicht und normal
💬 Direkt sprechen
Sag es so, wie es heißt – ganz ohne Flüsterton. „Rollstuhl“ statt „das Ding da“. Normalität im Wort bringt Normalität im Alltag.
💬 Wenn du unsicher bist – einfach fragen
Fragen wie „Wie nennst du das für dich?“ öffnen Türen und zeigen Respekt.
💬 Reflektieren hilft
Wenn du merkst, dass du Wörter meidest: Schau nach innen. Was macht dir eigentlich mehr Probleme – das Wort oder dein Bild davon?
Schlussgedanke
Sprache ist kein Hindernisrennen – sondern eine Brücke. Je klarer und leichter wir sie bauen, desto weniger Stolpersteine stehen im Weg. Und ganz ehrlich: Es ist wirklich ok, Dinge beim Namen zu nennen. Damit wird es für alle einfacher.
Kleine FAQ – Darf man das eigentlich so sagen?
❓ Darf ich „Behinderung“ sagen – oder ist das unhöflich?
Ja. Du darfst.
„Behinderung“ ist ein neutraler Begriff. Unhöflich wird es nicht durch das Wort – sondern durch die Haltung dahinter. Wenn du respektvoll bist, ist Klartext völlig in Ordnung.
❓ Ist „Rollstuhl“ nicht ein sensibles Wort?
Nein. Es ist die Bezeichnung für ein Hilfsmittel.
Ein Rollstuhl ist kein Tabu-Objekt und kein Voldemort. Man darf ihn beim Namen nennen. Die meisten Menschen im Rollstuhl tun das übrigens auch.
❓ Was ist, wenn ich Angst habe, etwas Falsches zu sagen?
Willkommen im Club der Menschheit.
Unsicherheit ist normal. Aber:
Drumherumreden wirkt meist komischer als ein klar ausgesprochenes Wort.
Wenn du unsicher bist, frag einfach freundlich nach. Das wirkt souveräner als Sprachakrobatik.
❓ Sollte ich lieber „Mensch mit Behinderung“ sagen?
Das kommt auf den Kontext an.
Viele bevorzugen „Mensch mit Behinderung“, weil der Mensch im Mittelpunkt steht.
Andere sagen ganz selbstverständlich „Ich bin behindert“.
Am besten: Hör zu, wie dein Gegenüber sich selbst bezeichnet.
❓ Warum fühlen sich manche Wörter trotzdem schwer an?
Weil wir ihnen innerlich Gewicht geben.
Oft hängen alte Bilder, Mitleid oder Unsicherheiten daran. Das Wort selbst ist selten das Problem – unser Kopf macht es groß.
❓ Ist Nachfragen respektlos?
Ganz im Gegenteil.
„Ist das so okay?“ ist oft der beste Satz im Raum.
Fragen zeigt Interesse. Schweigen aus Angst schafft Distanz.
❓ Warum ist es wichtig, Dinge beim Namen zu nennen?
Weil Normalität durch Normalität entsteht.
Wenn wir Begriffe meiden, bleibt das Thema „besonders“.
Wenn wir sie entspannt verwenden, wird es Alltag.